So fing alles an

Katinka oder Maine Coon’s Weihnachtsmärchen.

Schon eine ganze Zeit lang rieselte es dicke Schneeflocken und die Stadt hüllte sich in einen weichen, weißen Glitzermantel. Alles, was vor ein paar Stunden noch hässlich und trist schien, war einer zwar kalten, aber hellen Heiterkeit gewichen. Langsam, ganz langsam kam die Dunkelheit, so leise und behutsam, dass man es kaum merkte.

Eigentlich war es gar nicht richtig dunkel geworden, vielmehr hatten sich nur die Farben in ihrer ganzen Pracht zurückgemeldet. Auf dem Neuschnee reflektierten die bunten Lichter der geschmückten Fenster und Schaufenster. Sogar die Verkehrsampeln hatten etwas Heiteres bekommen mit ihren Schneehäubchen, die sie aufhatten.

Die weiße Pracht hatte den Menschen gänzlich die Hektik genommen. Die Autos, die Busse die Menschen, jede Betriebsamkeit war verlangsamt. Die Szenerie hatte so Liebenswertes und Rührendes, ja Friedfertiges, wie es für eine Metropole höchst ungewöhnlich ist.

Etwas Besonderes lag in der Luft, das sagte mir mein Gefühl. Oder war es nur, weil das Fest des Lichtes und der Liebe, weil es nur noch wenige Stunden bis zum Heiligen Abend waren ?

Unter meinen Schritten knirschte der Schnee, die Mütze und der Mantel waren voll weißer Flecken und die Menschen, die mir entgegenkamen, sahen mehrheitlich auch eher einem Yeti und weniger einem Großstädter ähnlich.
Leise klangen von ferne Weihnachtslieder zu mir herüber. Schritt um Schritt wurde der Geruch von gebrannten Mandeln, Bratäpfeln, Glühwein, Grog und Pfefferkuchen intensiver und die Klänge lauter und deutlicher. Nun hatte ich die ersten Holzhäuschen des Christkindlmarktes erreicht und begab mich ins Getümmel. Überwältigt von der Fülle und etwas ratlos blieb ich nach einer Weile an einem relativ ruhigen Ort stehen und erwärmte mich an einem Glühwein. Die Glocken der Frauenkirche erklangen und ich betrachtete träumend das bunte Treiben.

Plötzlich, ich traute meinen Augen kaum, kam zwischen all den dunklen Beinen hindurch eine Katze auf mich zugelaufen. Im ersten Moment dachte ich: „ Wildkatze“, das kann in einer Großstadt ja kaum sein. So eine ungewöhnliche Katze hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich bückte mich hinunter und blickte in große, strahlend grüne, aber etwas traurige Augen. Ich sprach sie an, da schüttelte sie sich ein wenig Schnee ab, lief freudig die letzten Schrittchen bis zu mir und schmuste mich an.
Es war Liebe auf den ersten Blick.

Auf der Stirn trug sie ein deutliches „ M “. Goldbraun bis rot und beige, schwarz gestromt und lang war ihr Fell. Nur an Kopf, Schultern und Beinen war es kurz wie bei der Hauskatze. Und dieser tolle Büschelschwanz, der mich ja im ersten Augenblick an die Wildkatze denken ließ, die großen Ohren bewegte sie aufmerksam bei jedem lauten Geräusch. Ihre Tabby-Zeichnung, das sah ich jetzt, war nicht die einer Wildkatze, sie hatte an den Flanken großflächige, dunkle Zeichnung und so niedliche Haare unter den Pfoten, es hing noch etwas Eis dran. Ich durfte sie streicheln und auf den Arm nehmen.

So liefen wir beide kreuz und quer durch die Marktstände und ich fragte überall, wem denn das Tier gehörte. Es war ein besonders schöner Winterabend, und er sollte auch glücklich enden, denn ich fand den Mann, der die Katze versorgte. Er erzählte mir, dass sie eine scheue Streunerin sei und sich mit seiner schon älteren Katze nicht vertrüge. Mich würde geradezu der Himmel geschickt haben, wenn ich die Kätzin mitnehmen wolle, sprach er in der so liebenswerten Münchner Mundart zu mir. Na, und wie ich sie mitnehmen wollte. „ Frohe Weihnachten“ wünschte mir der nette Mann. Frohe Weihnachten wünschte ich ebenso.

Durchgefroren, aber glücklich kamen die Katze und ich zu Hause an Vom Himmel geschickt?! Ja, wer war denn da vom Himmel geschickt? Vielleicht-----

Ich nannte sie Katinka, meine Weihnachtswintermärchen – Katze.

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